Holzkunde
Holzeigenschaften, natürliche Merkmale und was beim Verbau zu beachten ist – alles Wichtige für Ihre Holzterrasse.
Holzarten
Nadelholz – Douglasie, Lärche, Kiefer
Nadelhölzer sind die klassischen heimischen Terrassendielen. Natürlich gewachsen, gut verarbeitbar und bezahlbar. Je nach Holzart erreichen sie Dauerhaftigkeitsklasse DC 2–4 (→ DC-Tabelle).
- Douglasie – DC 3, warm-rötliche Optik, neigt zum Ausharzen
- Europ. Lärche – DC 3–4, feines Maserungsbild, formstabil
- Kanadische Lärche – DC 3–4, gleichmäßigere Struktur als europ. Lärche
- Kiefer KDI – durch Kesseldruckimprägnierung auf DC 4 gebracht (→ KDI)
Was bei Nadelholz normal ist
Quellen und Schwinden
Holz nimmt Feuchtigkeit auf und gibt sie wieder ab. Stark nachgetrocknete Bretter können sich leicht schüsseln. Modifizierte Hölzer (TMT & Accoya®) sind deutlich formstabiler.
Farbunterschiede
Das Farbspiel unterstreicht die Natürlichkeit des Materials. Außenliegende Hölzer können durch Bewitterung bereits einen etwas anderen Farbton haben – gleicht sich nach der Verlegung schnell an.
Splintholz
Splintholz ist das junge Holz direkt unter dem Kambium – geringere Festigkeit, nicht dauerhaft. Bei Douglasie gut erkennbar. Dauerhaftigkeit nur durch chemischen Holzschutz oder Modifikation (TMT, Accoya®) gewährleistet.
Bläue
Blau-graue Verfärbung durch bestimmte Pilze – keine Fäulnis. Der Bläuepilz ernährt sich nur von Zellinhaltsstoffen und gefährdet die Substanz nicht. Mit fortschreitender Vergrauung kaum noch sichtbar.
Salzausblühungen
Im ersten Jahr können vereinzelt weißliche Flecken auftreten (ausgetriebenes Harz durch KDI). Die Sonne härtet diese, sie lassen sich abbürsten und verwittern mit der Zeit von allein.
Trockenrisse
Entstehen durch das ungleichmäßige Quellen und Schwinden. Beeinflussen weder Statik noch Festigkeit.
Raue Stellen
Vereinzelt unvermeidbar – insbesondere bei Holzfasern, die gegen die Bearbeitungsrichtung verlaufen, z. B. um Äste herum.
Markröhre
Die Markröhre in der Mitte des Stammes ist ein normales, natürliches Merkmal – keine Fäulnis.
Schimmel und Stockflecken
Oberflächlich, nicht holzzerstörend. Können abgewischt werden oder verwittern mit der Zeit von alleine.
Hirnrisse
Verlaufen vom Hirnende einige Zentimeter ins Brett hinein – lassen sich nicht verhindern, da über das Hirnholz ein schnellerer Feuchtigkeitsaustausch stattfindet.
Harzgallen und Harzaustritte
In den ersten 1–2 Jahren kann es zu Harzaustritten kommen. Das ausgehärtete Harz wird durch Sonneneinstrahlung spröde und lässt sich abschaben.
Äste
Äste und Maserung gehören zum Charakter natürlich gewachsenen Holzes. Jedes Stück ist ein Unikat.
Hartholz – Tropisch und Europäisch
Tropische Harthölzer (Bangkirai, Massaranduba)
Bangkirai DC 2, Massaranduba DC 1 – außergewöhnlich dicht und dauerhaft. Charakteristisch: Wechseldrehwuchs – die Fasern verlaufen abwechselnd in entgegengesetzten Richtungen, was hohe Festigkeit, aber leichten Verzug bedeutet.
- Befestigung immer sichtbar verschrauben – 2 Edelstahlschrauben pro Auflagepunkt; Clips sind nicht geeignet
- Nur Edelstahlschrauben – unedlere Metalle reagieren mit Holzinhaltsstoffen und verursachen Schwarzfärbungen
- Bangkirai in unserem Sortiment ausschließlich in Blue-Star-Qualität
Europäische Harthölzer (Robinie)
Härteste heimische Holzart – härter als Eiche, Rohdichte ca. 770 kg/m³, DC 2. In unserem Sortiment keilgezinkt (→ Keilzinkung). Nur Edelstahlschrauben – Gerbsäure und Eisen hinterlassen dunkle Verfärbungen.
Was bei Hartholz normal ist
Raue Stellen
Vereinzelt unvermeidbar, insbesondere bei Fasern gegen die Bearbeitungsrichtung.
Wachsschutz (Hirnholz)
Ein Wachsfilm auf den Brettenden schützt auf langen Transportwegen vor eindringender Feuchte. Vor Verarbeitung per Kappschnitt entfernen.
Wasserflecken & Stöckermarkierungen
Schwitzwasser im Container kann Grau- und Schwarzverfärbungen (Eisen-Gerbstoff-Reaktion) verursachen. Rein optisch – verbleichen und verschwinden durch UV-Einstrahlung mit der Zeit.
Ausbluten
Durch Regen können Holzinhaltsstoffe ausgewaschen werden. Angrenzende Bereiche schützen; Terrassenöl reduziert das Ausbluten.
Äste & Farbunterschiede
Beim Hartholz treten nur vereinzelt Äste auf. Farbspiel ist ein Zeichen der Natürlichkeit.
Pinholes
Fraßgänge kleiner Insekten, ca. 1–1,5 mm Durchmesser. Insekten nicht mehr aktiv – kein Einfluss auf Dauerhaftigkeit oder Statik.
Trockenrisse
Beeinflussen Statik und Festigkeit nicht.
Wechsel-Dreh-Wuchs
Empfohlene Achsabstände auf der UK einhalten, damit das Holz „gehalten" wird.
Quellen & Schwinden
Durch fachgerechte Ausführung des Kopfstoßes kann Breitenversatz deutlich minimiert werden.
TMT – Thermisch modifiziertes Holz
Bei der thermischen Modifikation wird das Holz durch Hitzebehandlung in den Zellwänden auf molekularer Ebene verändert. Keine chemischen Zusätze – rein thermisch, biozidffrei. Durch das Verfahren werden flüchtige Holzinhaltsstoffe ausgetrieben – TMT-Hölzer harzen nicht mehr aus.
- Dauerhaftigkeitsklasse DC 1–2 je nach Ausgangsholz und Verfahren
- Resistent gegen 99,9 % aller holzzerstörenden Pilze
- Farbe: dunkelbraun bis schokoladenbraun, vergraut mit der Zeit
- Besonders geeignet für Balkone und Flächen mit hoher Feuchtebelastung
Was bei TMT normal ist
Risse
Das Thermoholz-Verfahren erhöht grundsätzlich die Sprödigkeit. Risse können vereinzelt auftreten. Eine Vorbehandlung mit geeigneten Holzölen (hydrophobierende Wirkung) reduziert die Feuchtigkeitsaufnahme und damit die Rissbildung.
Bläue
Je nach Holzart (z. B. Fichte, Kiefer) kann es zu Bläuebildung kommen. Bläue zerstört das Holz nicht und beeinträchtigt nur das optische Erscheinungsbild.
Quell- und Schwindverhalten
TMT-Hölzern wird ca. 75–80 % des natürlichen Quell- und Schwindverhaltens genommen. Das Schüsseln der Dielen findet kaum noch statt.
Farbunterschiede
Natürliche Farbunterschiede zwischen einzelnen Brettern sind durch die Holzeigenschaft bedingt und gleichen sich durch Bewitterung mit der Zeit an.
Accoya® – Acetyliertes Holz
Bei der Acetylierung wird das Holz chemisch – frei von Bio- und Fungiziden – in den Zellwänden auf molekularer Ebene modifiziert. Flüchtige Holzinhaltsstoffe werden ausgetrieben – acetylierte Hölzer harzen nicht mehr aus.
- Dauerhaftigkeitsklasse DC 1 – höchste Klasse überhaupt
- Nahezu kein Quellen oder Schwinden – extrem formstabil
- Barfußfreundlich, glatte Oberfläche, keine Splitter
- 50 Jahre Gewährleistung auf die Dauerhaftigkeit
- Cradle to Cradle zertifiziert
Was bei Accoya® normal ist
Sortierkriterien Labella AccoyaDeck® – zu tolerieren sind
- Vereinzelt Verwurzelung im Holz, kleine Faserausbrüche, hobeltechnisch bedingte verschiedene Oberflächenbeschaffenheiten
- Vereinzelt auftretende Rindeneinwüchse und unterschiedliche Aufnahme der Farbpigmente
- Vereinzelt Farbunterschiede – gleichen sich nach 2–3 Monaten Bewitterung an
- Vereinzelt kleinere Harzgallen, Rindentaschen, kleinere Äste mit und ohne Riss
Risse
Risse können vereinzelt auftreten und sind kein Reklamationsgrund. Bei Accoya® ist nachträglich nur von sehr geringer Rissbildung auszugehen.
Poolumrandungen
Im Spritzwasserbereich kann es zu abweichenden Verfärbungen kommen. Je nach Poolsystem (Chlor, Salzwasser) können Salze und Chemikalien die Oberfläche angreifen.
Mazaration
Nach der Schneeschmelze kann es zu einer Ablösung weißer Holzfasern in Rillen und Nuten kommen. Den betroffenen Bereich abbürsten, um den Prozess zu unterbinden.
Stöckermarkierungen
Durch die Acetylierung kann es zu Holzverfärbungen kommen, in denen sich Stöckermarkierungen abzeichnen. Bei Sortierung COUNTRY nicht völlig abgehobelt, bei SELECT nur vereinzelt.
Accoya® Color Grey – Farbabweichungen
Holz ist kein homogener Werkstoff und nimmt Farbpigmente unterschiedlich auf. Farbunterschiede zwischen Brettern sind völlig normal und kein Beanstandungsgrund – sie gleichen sich durch natürliche Verwitterung mit der Zeit an.
KDI – Kesseldruckimprägniert
Industrielles Verfahren: Holz wird im Kessel mit Vakuum und starkem Druck tief mit Schutzsalzen getränkt. Schützt vor Pilzen, Nässe und Insekten.
- Typisch: Kiefer KDI – Dauerhaftigkeitsklasse DC 4
- Erkennbar an der grünlichen Färbung – verblasst mit der Zeit
- Günstig im Einkauf, bei korrektem Verbau solide Lebensdauer
- Enthält biozide Wirkstoffe
GCC – German-Compact-Composite
GCC steht für German-Compact-Composite – ein Hochleistungs-Verbundwerkstoff, der in Deutschland entwickelt und produziert wird. Ca. 60 % Holzfaseranteil werden zusammen mit einem GFK-Recycling-Granulat aus ausrangierten Windkraft-Rotorblättern zu einer Terrassendiele extrudiert.
- Wasserabweisender und fleckenresistenter als herkömmliche WPC- oder BPC-Dielen – keine freie Holzfaser an der Oberfläche
- Cradle-to-Cradle zertifiziert: kreislauffähig, hergestellt aus Recyclingmaterial (Windkraft-Rotorblätter)
- Made in Germany – produziert aus dem GCC-Holzwerkstoff (German-Compact-Composite)
- Mind. 2 % Gefälle beim Verlegen ist zwingend, damit Wasser aus den Hohlkammern ablaufen kann
Normen & Klassifizierungen
DC – Dauerhaftigkeitsklasse
Beschreibt die natürliche Widerstandsfähigkeit eines Holzes gegen holzzerstörende Pilze und Insekten. Je niedriger die Zahl, desto dauerhafter das Holz. Bezieht sich auf das Kernholz – Ausnahme: modifizierte Hölzer (Accoya®, TMT), bei denen das gesamte Holz behandelt ist.
| Klasse | Bezeichnung | Standzeit | Beispiele |
|---|---|---|---|
| DC 1 | Sehr dauerhaft | Mind. 25 Jahre | Accoya®, Massaranduba, TMT Esche |
| DC 2 | Dauerhaft | 15–25 Jahre | Bangkirai, Robinie, TMT Fichte/Kiefer |
| DC 3 | Mäßig dauerhaft | 10–15 Jahre | Douglasie, Europ. Lärche, Kanad. Lärche |
| DC 4 | Wenig dauerhaft | 5–10 Jahre | Kiefer KDI |
| DC 5 | Nicht dauerhaft | Max. 5 Jahre | Esche, Buche, Birke (unbehandelt) |
Standzeiten gelten nur bei korrektem Verbau und ausreichender Hinterlüftung.
GK – Gebrauchsklasse
Beschreibt den Einsatzbereich – wie stark eine Diele Feuchtigkeit ausgesetzt ist. Eine Terrasse im Freien braucht mindestens GK 3.1, ein Balkon ohne Überdachung GK 3.2.
| Klasse | Einsatzbereich | Feuchte |
|---|---|---|
| GK 3.1 | Außenbereich, ohne Erdkontakt, geschützt | Gelegentlich feucht |
| GK 3.2 | Außenbereich, ohne Erdkontakt, ungeschützt | Häufig feucht |
| GK 4 | Außenbereich mit Erdkontakt | Ständig feucht |
Balkone und Dachterrassen erfordern GK 3.2 – und damit Materialien mit DC 1 oder DC 2.
Verlegung & Konstruktion
Keilzinkung
Störende Holzmerkmale wie Äste oder Harztaschen werden herausgekürzt. Die verbleibenden Stücke werden mit einem keilförmig verzahnten Fingerstoß wieder zu langen Dielen zusammengefügt.
- Ergebnis: ast- und verzugsarme Dielen mit gleichmäßigem Erscheinungsbild
- Typisch bei Robinie in unserem Sortiment
- Einschränkung: Nicht geeignet für freistehende Terrassen ab 50 cm Höhe (Oberkante Belag) – nicht im tragenden Bereich einsetzen
- Maximaler UK-Abstand: 40 cm
UK – Unterkonstruktion
Die Unterkonstruktion bestimmt die Lebensdauer einer Terrasse genauso wie das Terrassendeck. Die UK muss mindestens die gleiche Dauerhaftigkeitsklasse aufweisen wie der Belag.
- Bangkirai UK – DC 2, bewährt unter allen Holzarten bis DC 2, auch unter DC 3
- Aluminium-UK – wartungsfrei, langlebig, ideal für Balkone und Dachterrassen
- Ausreichend Hinterlüftung zwischen Diele und UK für die Trocknung
- UK-Achsabstand: typisch 40–60 cm je nach Dielendicke und Herstellervorgabe
| Terrassendeck | UK mindestens |
|---|---|
| DC 1 (z. B. Accoya®, TMT Esche) | DC 1 – z. B. Bangkirai UK, Aluminium |
| DC 2 (z. B. Bangkirai, TMT Fichte) | DC 1 oder DC 2 |
| DC 3 (z. B. Douglasie, Lärche) | DC 1, 2 oder 3 |
GRAD-System
Eigenständiges Verlegesystem – erlaubt die Verlegung ohne Gefälle, weil die Dielen selbst für die Wasserableitung sorgen.
- Dielen zum Teil bombiert (gewölbter Querschnitt) und speziell 2-fach genutet auf der Unterseite
- Integrierte Clips in der GRAD-Unterkonstruktion – nur diese UK passt zu diesen Dielen
- Befestigung verdeckt, keine sichtbaren Schrauben
- Geeignete Produkte: TMT Kiefer bombiert, TMT Esche bombiert, Labella Color Gray 21×118 mm
Das GRAD-System erfordert die passende GRAD-Unterkonstruktion. Standardmäßige Unterkonstruktionen und ROG-Clips sind nicht kompatibel.
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